Die Waschmaschine oder Qualität auf australisch....
Da wir auch in Australien nicht signifikant sauberer geworden sind, sahen wir uns gezwungen auch in OZ eine Waschmaschine in unseren Besitz zu bringen.
Da wir neben der Wama auch diverse andere Elektrogroßgeräte benötigten und unser Geldbeutel schon recht schmal war, haben wir zum Erwerb einen Secondhand-Händler auf der nahe gelegenen Sydney Road aufgesucht. Es erschien uns sinnig, dass wir möglichst alle Geräte bei einem Händler erwerben, um eine möglichst große Verhandlungsmasse zu haben.
Der Erwerb:
Palimpalim (Zitat von D. Hallervorden)!
"G´day! Äh.., we would like to buy a washing machine!
"Oh we have plenty of them, have a look!"
Nach intensiver Begutachtung der weißen Ware auf sage und schreibe fast 30qm, standen uns die Fragezeichen in den Augen. Wir hatten nach weißen, viereckigen Kisten mit so einer Art Bullauge Ausschau gehalten. Leider war uns so etwas nicht ins Auge gesprungen. Nach kurzer Nachfrage kam dann heraus, dass er z.Z. fast nur Toploader hätte und Frondloader ja auch so teuer seien. Da ich schon vor Jahren "interessante" Erfahrungen mit Toploadern australischen Stils gemacht hatte ("Hier war die Wäsche noch bunt, jetzt ist die Farbe im Wasser...usw.") zeigte ich mich minder begeistert. Der Verkäufer schien diese Bedenken schon zu kennen und empfahl uns sein Topmodell, das sogar einen Schonwaschgang (gentle cycle) habe und außerdem sonst auch ganz toll sei. Das die Waschtrommel immerhin fast ganz aus Edelstahl war, im Gegensatz zu den Vollplastikmodellen, hat mich dann wieder einigermaßen versöhnt. Im Verbund mit den anderen Geräten (dazu später mehr) wurde auch ein für alle zufriedenstellender Preis erzielt und die eingeschlossene Lieferung vereinbart.
Das ist sie also unsere Nigelnagel neue, ähhh... fast ähhh, second hand Waschmaschine:
Anlieferung und Anschluss:
Kaum 2 Stunden nach dem vereinbarten Termin klingelt es an der Tür....
Ein eher rundes als quadratisches "Männchen" steht vor der Tür und ruft mir fröhlich zu:
"G´day, w´ meichin, kizugdfsuzitccawhd ihjsdf iuxyfiuzgsf iussddfg!"
"Ähhh, G´day, Ähhh pardon?"
"W´meichine, ciuzhfsaghf klushd klasfhjgc...."
Tut mir leid, ich verstehe leider nix. Ich glaube zwar, dass der Typ wahrscheinlich Englisch mit australischem Akzent zu sprechen scheint, aber hundertprozentig sicher bin ich mir aber nicht. Ich zweifele spontan daran, ob ich hier jemals sprachlich lebensfähig sein werde, aber mit Händen und Füßen geht´s halt auch. Später erzählt mir Till, der eine baugleiche Wama beim selbigen Händler erworben hat, dass "Irgend so ein Liefertyp, den sie wahrscheinlich aussem Bush im Outback geholt haben, versucht habe mit ihm bei der Auslieferung zu kommunizieren... " Ging aber aus bekannten Gründen nicht und Till ist schon seit Jahren hier. Das hat mich dann doch in punkto "Hörverstehen" beruhigt.
Dann hat er fix die Wama an ihren Platz getragen (Hilfsangebote hat er abgelehnt!) und irgendwie fragend signalisiert, ob ich Hilfe beim Anschluss benötige. Ich hab natürlich meine deutsche Ingenieursehre nicht beflecken wollen und habe ebenfalls dankend abgelehnt.
Da steht sie nun! Ups..., was ist das? Zwei Zuleitungsschläuche? Oh, da sind ja auch zwei Wasseranschlüsse... 
Warm und kalt! Das könnte der erste Hinweis auf den günstigeren Preis bei australischen Wama sein. Keine Heizstäbe und so´n überflüssigen Quark. mmmhh vielleicht nicht so schlecht. Was nicht drin ist kann auch nicht kaputtgehen. Außerdem ist Gas (für Warmwasser) hier deutlich billiger als Strom. Da Australier auch noch echte Sparfüchse sind und ein findiger Waschmittelproduzent ein Waschmittel erfunden hat, das die Wäsche mit kaltem Wasser genauso "sauber" wäscht, wie mit warmen, lassen die meisten Australier den Warmwasser-Anschluss einfach weg. Hab´ ich dann aber mal nicht gemacht, da es "Nebeneffekte" gibt: Das Waschmittel ist dann relativ aggressiv: Farbe im Wasser usw., Löcher im T-Shirt und Schweiß löst sich nicht unbedingt so gut in kaltem Wasser...... Das scheint dem nicht-urbanen Aussie scheinbar nichts auszumachen. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass man den Geruch nach einiger Zeit nicht mehr wahrnimmt.
So dann noch schnell den Abwasserschlauch in den Abfluss eingesteckt (ja, nix mit Schelle und Schrauben und so!) und den Stecker in die Steckdose.
Jetzt kann´s losgehen.....
Probewaschen...
Wir machen uns erstmal mit der Wama und ihren Einstellmöglichkeiten vertraut. Ah ha ..., Australischer Design Preis! 
Ähhh, wofür bloß? Die zylindrische Kiste kann’s nicht sein, der Deckel auch nicht.... mmmhh die Einstellknöppe sehen auch ganz normal aus... Doch Halt! der eine ist anders als die anderen: Der Programmwahlschalter hat ein ergonomisches T-Stück, dass man mit 2 Fingern umschlingen kann, um dann mit maximaler Kraft daran zu drehen! Super! Aber ist dass denn wirklich nötig??? Mmhhh, geht eigentlich relativ leicht...!?! Aber warum läuft der Karren dann nicht. Oh, den Schalter an der Steckdose noch einschalten. Ähhh, immer noch nix!?! Nach einer kurzen dreiviertelstündigen intensiven Untersuchung
Eureka! Den Programmwahlschalter kann man zum Starten nach oben (von der Maschine weg) ziehen! Sie läuft! das war also der Design-Kniff mit dem "Knebelschalter"....
Während meiner Nachforschungen haben sich folgende Funktionen für die einzelnen Knöpfe von links nach rechts ergeben:
Mengen-Knopf:
Damit wird geregelt mit wie viel Wasser das Ding geflutet wird. Wenn man bis zum Ende dreht, wird resetet (Nur Füllmenge oder auch Programm? na ja egal...)
Waschtemperatur-Knopf:
Hier gilt es die verschiedenen Kombinationen der Temperaturen für Waschgang und Spülgang zu erwählen.
Im Einzelnen: kalt/kalt warm/kalt heiß/kalt heiß/warm Ähhh.., warum hier die Kombi warm/warm fehlt ist mir schleierhaft! Das wäre meine häufigste Wahl. Na ja, dann eben anders oder zwischen durch manuell umstellen.
On/Off-Knopf
Ein Schelm, der hier den An/Aus-Knopf zum Starten/Abstellen der Maschine vermuten würde. Das ist ja der beschriebene "Dreh-zieh-flupp"-Knopf ganz rechts. Wat isses denn nu? Na kurzem Ausprobieren, wissenschaftlich: Experimental-Phase ergibt sich folgendes Ergebnis: On: Nach dem letzten Spülgang schleudert und pumpt die Maschine nicht mehr ab. Die Wäsche badet in wirklich ausreichend Wasser. Zu gut deutsch: dies ist der Spülstopp-Knopf!
Normal Betrieb:
Die Waschmaschine ist sehr schnell (15-max.30 min), braucht aber doppelt soviel Wasser wie ein Frontloader. Aber das ist hier ja nicht so teuer, in Australien hat man ja mehr als genug davon, weil es hier dauernd regnet.... Deshalb ist es logisch, dass man auch doppelt soviel Waschpulver braucht und die Wäsche halb so sauber wird! Das mag daran liegen, dass sich die Trommel beim Waschen 3x ruckartig um 30Grad in die eine Richtung dreht und dann 2x in die entgegengesetzte Richtung. Das ganze mit in ausreichend Lauge eingelegter Wäsche (Massenträgheit und Flüssigkeit!) führt nicht unbedingt zum gleichen Ergebnis, als wenn man sich der Erdanziehungskraft für 1-2 Stunden wie beim Frontloader bedient. (Da müsste man ja auch Heizstäbe haben, um die Lauge auf Temperatur zu halten.....) Falls das Waschgut beim Schleudern nicht gut verteilt in der Trommel liegt, stellt sich das Maschinchen auch gerne mal ab und wartet auf den freundlichen Bediener, der dann mit den Armen bis zu den Ellbogen in der Lauge die Wäsche gleichmäßig verteilt....
Heavy Duty!?! Das erschließt sich mir auch nach längerem Nachdenken nicht wirklich im Zusammenhang mit dieser Wama...
Oder ist damit der "Heavy Duty" Dienst des Bedieners gemeint? ;-))
Qualität:
Superding! Genau auf die australischen wirtschaftlichen Gegebenheiten abgestimmt (ob die Sinn machen oder nicht, besonders ökologisch, sei dahin gestellt). Bei den preiswerten (oder doch eher billigen?) australischen Qualitätsklamotten ist es auch nicht so tragisch, wenn mal was nicht sauber oder ramponiert wird.... Mit ein wenig manuellem Einsatz (das erspart komplizierte Fuzzy-Logik in der Maschine) geht´s aber auch mit diesem Ding.
Wie der Aufkleber mit dem Designpreis auch noch sagt: Produced in Australia for the world markets! Arme Welt!
Die nächste wird ein Frontloader ;-))
Die sind wie die australischen Verkäufer gerne versichern "European Quality!", "Made in Italy"! ;-)) Wie soll auch einem aus Indien (oder irgentwo aus der Gegend) nach Australien eingewanderten Secondhand-Businessman klar sein, dass Italien in Europa nicht unbedingt für höchste Qualität steht....! Besser als in Australien scheint sie aber zu sein!
Beim 5ten mal Waschen ergab sich dann übrigens ein Geräusch als würde ein A380 im Badezimmer starten.....
Kein Problem für unseren Waschmaschinenverkäufer: Morgens geholt, abends (repariert) gebracht!
Der Langzeittest läuft!
Bis denne,
Stefan

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