Sonntag, Januar 16, 2011

'Gorillas im Nebel'

Nach besagtem ordentlichen Fruehstueck mit Seeblick ging es weiter, immer entlang am Ostufer des Lake Kivu, ueber Berge und Huegel, durch Tee-, Reis- und Bananenplatagen und durch beschauliche Doerfchen. Das ganze Land ist ein einziger 'scenic drive', und Amos musste unzaehlige Male anhalten, um mich meine Fotos machen zu lassen, und war sicher froh, als er uns am fruehen Nachmittag in der 'Mountain Gorilla View Lodge' abliefern und sich selbst von der Schaukelei ueber alle Schotterpisten des Landes erholen konnte. Wer in Rwanda reist und dabei das ganze Land durchquert kommt allerdings nicht drumherum, auch eine Handvoll Gedenkstaetten fuer alle Opfer des Genozids zu besuchen... das gehoert zum 'Pflichtprogramm', kann einem die Urlaubslaune ganz schoen trueben, aber einen auch gleichzeitig wieder in schieres Staunen versetzen wenn man erlebt, wie Rwander mit dieser Vergangenheit umgehen. Mit allem noetigen Respekt, und der Gabe, positiv in eine hoffnungsvolle Zukunft zu blicken. Wir jedenfalls haben grossen Respekt vor der Tatsache, dass Taeter und Opfer in einem Land der Groesse Hollands nebeneinander leben, und die Vergangenheit zur Vergangenheit machen wollen. Hoffen wir mal, dass es dauerhaft funktioniert!



Dorf auf dem Weg nach Norden


Noch ein Blick auf den allgegenwaertigen Lake Kivu


Buntes Treiben auf einem Markt, irgendwo auf dem Weg nach Norden

Angekommen in der Lodge: Die Mountain Gorilla View Lodge hatten wir gewaehlt, weil sie nicht wie die Mehrheit aller Hotels direkt im Ort Ruhengeri bzw Musanze liegt, sondern naeher am Ausgangspunkt fuer den Gorilla track im Nationalpark. Behaebig wie wir sind hatten wir auf eine halbe Stunde mehr Schlaf gehofft, denn die tracks gehen natuerlich, wie soll es anders sein, in aller Herrgotts Fruehe los, was ein Aufstehen mitten in der Nacht impliziert. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass die Wahl dieses Etablissements eine vortreffliche Entscheidung war... zu der wir uns dann auch hinreichend selbst beglueckwunscht haben, und das nicht nur der Naehe zum Park wegen. Der Begruessungs-Ingwertee machte schon einen sehr passablen Eindruck, aber als wir unser 'Zimmer' in Augenschein nehmen konnten, konnten wir's kaum fassen...
Gross war die Freude ueber den Kamin im Zimmer, hatten wir doch gehoert, dass es unter Umstaenden ungemuetlich und gar kalt werden koennte (Gorillas im NEBEL eben...). Noch viel groesser war dann die Freude, als voellig unaufgefordert taeglich gegen 4 Uhr am Nachmittag ein freundlicher Angestellter mit einem Arm voller Feuerholz in der Tuere stand, um uns ein waermendes Feuer zu entzuenden... doch nicht genug des Luxus... beim Dinner, das am ersten Abend im Dunkeln stattfand (uns wurde glaubhaft versichert, dass es sich nicht um den Versuch handelte, dem Abend eine romantische Note zu geben, sondern dass lediglich der Generator ausgefallen war...) gab es gleich fuer jeden Tisch einen ganzen Privatofen zum Fuesse waermen... man hatte das Zeichen 'Socken in Flip Flops' sowohl verstanden als auch die Loesung parat gehabt. Das i-Tuepfelchen haben wir dann spaeter in Form von Waermflaschen in unseren Betten gefunden, die eine gute Fee waehrend unserer Abwesenheit dort deponiert haben muss... SO kann man es aushalten, oder um es mit Freya's Worten zu sagen: 'That's the Life...'


Angekommen in der Mountain View Lodge...



... in der die Hotelzimmer als kleine Cottages in einem Garten verteilt sind, jedes mit Blick auf die Vulkankette die dem Nationalpark den Namen gibt: 'Parc National des Volcans'


Unser 'Palast' fuer die naechsten zwei Naechte. Beste Feature: der Kamin und ein Riesen-Panoramafenster mit Blick auf einen Vukan!


Privat-Oefchen beim Dinner gegen kalte Fuesse

Am naechsten Morgen hiess es dann rechtzeitig das gemuetliche Bett verlassen um zum Treffpunkt fuer die Wanderung zu den Gorillas zu fahren. Amos stand wie immer puenktlich parat (ein AUSBUND an Zuverlaessigkeit der Mann...), um uns Ladies rechtzeitig zum Start zu bringen und uns in einer Wanderguppe unserer Wahl unterzubringen. Nach einigem Debattieren, welche Gorillagruppe wir sehen wollten (eine Wissenschaft fuer sich, je nachdem wie weit und lange man laufen will und wieviele Tiere die Gorillagruppe haben soll) hatte uns Amos in einer Gruppe untergebracht, die zur Sabinyo Gruppe mit dem groessten Silberruecken der Welt wandern sollte. 1.5 bis 2 Stunden sollte der Marsch dorthin dauern, was sich durchaus machbar anhoerte. Los ging es also zusammen mit einem guide, mit Macheten und einem Gewehr bewaffneten Trackern und anderen Gorilla-Interessierten aller Nationalitaeten ('zum Glueck schonmal keine Amerikaner'- Zitat eines daenischen Mitwanderers (o:), durch immer dichter werdenden Busch mit Brennnesseln und Moskitos und allem was dazu gehort.


Los gehts, immer dem Mann mit der Machete nach


Immer gut aufgepasst sonst hat man seine Mitwanderer bald im Dickicht verloren


Hier verschindet man fast vollstaendig im dichten (und nesselnden!) Gruen


...und ploetzlich sind sie da. Da sitzen sie auf einer gruenen Lichtung, gerade so, als haetten sie auf nichts anderes gewartet als die Gruppe entfernter Cousins, die schnaufend und zernesselt den Berg hinauf gestapft kommt. Alle Clan-Mitglieder sind da: Papa Sabinyo, ein paar Weibchen, und auch die Babies, die uns versprochen wurden und natuerlich sofort allgemeines Entzuecken ausloesen. Eine Weile lang lassen sich die sanften Riesen beobachten und ablichten, dann bricht Unruhe aus, und Sabinyo blaest zum Abmarsch. Doch wer gedacht hatte, damit sei die Besuchszeit zu Ende, der sah sich getaeuscht: 'Immer man' hinterher' hiess es, denn wir hatten ja schliesslich fuer eine Stunde 'Gorilla encounter' bezahlt, und das sollten wir auch bekommen. Das die Gorillas irgendwann vom dem menschlichen Verfolgertrupp genervt waren, wurde spaetestens dann deutlich, als Sabinyo uns den Allerwertesten zuwendete, und alle Gruppenmitglieder seinem Beispiel folgten, und wir so ein paar lange Minuten lang Gorillahinterteile studieren konnten. Als das noch immer nicht genug war, um die laestigen Besucher abzuschuetteln, baute sich dann Sabinyo ziemlich imposant und inklusive Brusttrommel-Einlage vor uns auf- was wir zum Anlass genommen haben, uns schnell auf einen gepflegten Rueckzug zu begeben...


Und ploetzlich sind sie da: die Studenten im Gorilla Kostuem


der groesste Silberruecken der Welt


in Denkerpose


gegenseitige Koerperpflege


Eine Gorillanase ist das was fuer uns ein Fingerabdruck ist: eindeutiges Indentifikationsmerkmal


Kreisrunder Haarausfall?!


Gorillafamilie


Mama und der Nachwuchs...


.... und Papa, der langsam ungehalten wird ob seiner menschlichen Verfolger


auf dem Rueckweg: auch dieser ist beschwerlich


Geleitschutz und Wegbereiter


Machete und Knarre... was man so braucht auf seinem Weg in den rwandischen Busch


Abendprogramm:


Rwandische Volkstaenze mit Blick auf einen der Vulkane


Das waren sie also, die Lieblinge Dian Fosseys. Tatsaechlich leben in diesem Parkabschnitt noch Tiere, die sie selbst beannt hat, z.B. Poppy in der Susa-Gruppe. Definitv das Highlight der Reise, wenn auch bei weitem nicht die einzige Attraktion. Wir kehren nach unserer insgesamt 7-stuendigen Wanderung begeistert, obwohl bis auf die Haut vom einsetzenden Regen durchnaesst, zum wartenden Amos zurueck, der bereits gedacht hatte, wir seien im Park verschuett gegangen. Noch am naechsten Morgen bedauern wir, nicht ein zweites Permit fuer einen weiteren Tag bei den Gorillas gekauft zu haben, aber wir troesten uns damit, dass weitere Highlights auf uns warten.

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