Sonntag, August 06, 2006

Eine Winterwoche in Australien...

Jaja, ihr habt lange nichts von uns gehört. Richtig. Um Euch mal ein bisschen auf dem Laufenden zu halten, und um zu demonstrieren, dass wir nicht in einen Winterschlaf verfallen sind, werde ich Euch mal von einer typischen Winterwoche in Australien berichten, ganz ohne Barbies und Camping. Typische Winterwoche? Naja, auch nicht so ganz. Im Moment ist nämlich die endgültige Phase der langen und traurigen Verabschiedung von Shini und Till angebrochen, die uns ja leider verlassen, um im Land der guten Käse Fuss zu fassen (nein, nicht in Holland). Aber der Reihe nach:

Eine Woche fängt auch in Down Under mit dem unbeliebten Montag an. War bisher das Highlight des Tages die abendliche `Desperate Housewives` Folge, musste dieses dem montäglichen Sport weichen. Linda spielt wieder Volleyball. Mit den Wedgies, einem mixed team, indem Linda aber die einzige Frau ist. Soweit so gut, nur muss man sich eine ziemlich gute Ausrede einfallen lassen, hat man einmal keine Lust zum Sporteln. Denn ohne Quotenfrau bekommt die Mannschaft schon vor dem Spiel erstmal 5 Minuspunkte pro Satz, die es dann aufzuholen gilt. Was mittelmässig schwer bis unmöglich ist. Um also den Zorn meiner Mitspieler nicht zu provozieren ist also die allmontägliche ´verzweifelte Hausfrauen`Folge einer Volleyballeinheit mit knackigen und völlig unverzweifelten Aussie-Jungs gewichen (und ganz ehrlich - die Wahl fiel nicht so schwer...). Am Montag ist erstmal das letzte Spiel der ´Saison`, was natürlich trotz eines nicht zufriedenstellenden Platzes im hinteren Drittel des Mittelfeldes der Tabelle mit einem Bier begossen werden muss. Danach wird eine Spielpause folgen, bevor Ende August die Frühlings-Saison beginnt. Richtig! Frühling! Klingt gut, was?

Dem Montag folgte der Dienstag (tatsächlich), und letzte Woche sogar ein besonderer. Wie bereits erwähnt, werden Shini und Till gebührend verabschiedet, und aus diesem Grunde hat es sich Paul, ein Kollege aus dem Crabb-lab nicht nehmen lassen, im Restaurant seiner Eltern ein 8-gängiges Menü für Shini und Till und den engeren Freundeskreis zu organisieren. Natürlich gab es zu jedem Gang einen passenden Wein, was zur Folge hatte, dass wir alle gegen 1am müde und satt nach Hause gewankt sind. Das Essen war großartig, und an dieser Stelle muss betont werden, dass Paul wirklich ganze Arbeit geleistet hat (bzw. seine Mutter, die dieses Festmahl gekocht hat). Yummie!

Der Mittwoch steht für Stefan im Zeichen des Volleyballs. Er hat sich einer Herren Mannschaft angeschlossen, die jeden Mittwoch in Kew den Volleyball verprügelt. Ich pflege an diesem Abend zusammen mit Teresa zum Pilates zu gehen, um ‚mein Zentrum zu aktivieren’ und meine ’Abdominals’ hinter die ‚B-line’ zu bringen. Hatte ich gedacht, dass mein Englisch nach dem Durchlaufen der Einbürgerungsphase alltagstauglich sei, war das eine Täuschung. Auch das Eröffnen von Bankkonten, das Abschließen von Versicherungen, das Diskutieren technischer Probleme bei Autos und das Lesen (und Verstehen) von Kleingedrucktem beim Mieten von 4Wds hat nicht dazu beigetragen, in einem ganz normalen Sportkurs den Durchblick zu haben. Aber mühsam nährt sich das Eichhörnchen, und mittlerweile glaube ich, meine Schultern in einer ‚soft-W’ Stellung halten zu können, ohne sofort als dusseliger Ausländer aufzufallen.
An diesem Mittwoch indes habe ich mich sozial betätigt: Mit meinen Kollegen Danny und Salenna und Cat und Nick war ich bei einer allseits beliebten Fund raising Trivia night. Das ist so was wie Stadt-Land-Fluss für Erwachsene, und das ganze findet in einem Pub statt, so dass man mit dem einen oder anderen Krativitätsgetränk die Hirnzellen ankurbeln kann. Hat aber leider in diesem Fall nicht geholfen. Unsere Gruppe ist letzte geworden. Wer weiß schon, durch welche australische Bundesstaaten der ´Dingo-fence´ verläuft, und was Paris Hilton Schlaues von sich gegeben hat (hat sie nicht, aber gefragt wurde trotzdem). Auch die Aufgabe, aus Laborhandschuhen einen Truthahn zu basteln hat nicht zu einer Platzverbesserung unseres teams beigetragen. Naja, manchmal hat man eben kein Glück, und wenn dann auch noch Pech dazukommt...um den Abend zu krönen, musste ich auch noch im Regen nach Hause radeln. Naja, bald ist ja, wie schon erwähnt: Frühling.

Donnerstag. Was war noch Donnerstag?! Richtig. Ein weiteres Abschiedsessen für Till und Shini. Dieses Mal das offizielle Abschiedessen der Abteilung. Die hat dann ein ganzes japanisches Restaurant gemietet, weil natürlich jeder mitwollte. Stefan allerdings hat es vorgezogen, zu seinem donnerstäglichen Volleyballtraining nach weiss-der-Himmel-wohin (Doncaster!) zu fahren. Vielleicht war es ihm aber auch nur zu gruselig, mit 35 Malaria-Forschern zusammen zu sitzen. Dabei haben wir gar nicht über Arbeit geredet. Ganz ehrlich. Stattdessen haben wir das ´Banquett´ genossen, den bring-your-own-wine und bring-your-own-Sake getrunken, und ergreifenden Abschiedreden gelauscht. In dem Moment war ich ganz schön froh, dass uns selber so ein Abschied nicht schon wieder direkt vor der Haustür steht.
Nachdem wir gegen 11 aus dem Restaurant komplimentiert wurden (australische Gastfreundklichkeit...) musste natürlich noch ein Absacker (oder wie Shini zu sagen pflegt: ein Verteilerchen) in der Kneipe nebenan genommen werden. Die war dann so nett, uns bis 3am zu beherbergen, bis wir von ganz alleine drauf gekommen sind, dass man allmählich mal nach Hause gehen könnte. Es war ja schließlich mitten in der Woche. Gehen? Nein, es regnet schon wieder. Praktischerweise steht ein Taxi vor der Tür, dass ich mir mit Alli teile. Wie üblich muss man dem Taxifahrer erklären, wie man zur Tinning Street kommt (wenn ich mal einen Taxifahrer treffe, der auf Anhieb weiß wo er hinfahren muss, bin ich spontan bereit, aus purer Freude darüber den doppelten Fahrpreis zu bezahlen). Allerdings hat der junge Man dann auch noch eine Viertelstunde gebraucht, um meiner Kreditkarte den passenden Betrag abzubuchen (mein letztes Bargeld hatte beschlossen, im japanischen Restaurant zu bleiben), dabei wollte ich doch soooo dringend ins Bett.

Der Freitag sollte ein Feiertag werden. Nicht im Sinne von `frei haben`, sondern im Sinne von Feiern. Im Labor sollte der letzte Urlaubstag unseres Chefs und damit unserer Freiheit genossen werden. Also hatten wir uns zum Frühstück verabredet. Um 10.30! Juchu, wie passend nach einer solchen langen Nacht. Nach einem ordentlichen Kaffee und einer Portion French Toast ging es dann auch schon wieder ganz gut, und der Arbeitsalltag konnte für ein paar Stunden aufgenommen werden. Bis zum Seminar um 4pm, nach dem gewöhnlich mit einem Bier und einer Tüte Chips vor dem Seminar-Raum das Wochenende eingeläutet wird. Juchu, endlich Wochenende. Nach dieser Woche voller social events bin ich dann auch zusammen mit Prinz Ferdi um 8.30 auf dem Sofa in das Reich der Träume entfleucht. Das war auch dringend nötig, stand doch am Samstag der Umzug von Mirja und Jens auf dem Programm, bei dem wir unsere Hilfe zugesagt hatten.

Samstag, pünktlich um 10am standen wir also am nächsten Morgen (dem ersten Frühlingstag hier, mit 17 Grad und Sonne) in Heidelberg (Stadtteil von Melbourne), um einen Haufen Möbel von der Greville Road in den Gloucester Drive zu transportieren. Das neue Haus der Beiden ist supernett, und es gibt sogar einen Schwarm Kakadus im Garten, der den beiden jeden Abend ein Schlaflied singen wird. Mein Lieblings-Land-Ei Stefan fand das natürlich gleich ganz klasse (und ich zugegebener Maßen auch), und da unser Mietvertrag dieses Jahr entweder ausläuft, oder für weitere 12 Monate verlängert wird, kam sogleich die Überlegung auf, auch nach Heidelberg zu ziehen, zumal die Mieten noch erschwinglicher sind als in good old Brunswick. Aber die Information über den Arbeitsweg erstickte jede Idee im Keim. Die beiden fahren jeden Morgen um 6.30 in die City, weil der Berufsverkehr nur eine halbe Stunde später die Fahrzeit vervierfacht. Schluck. 6.30. No way. Really. Und Brunswick ist gar nicht schlecht!

Abends sind wir dann zu Till und Shini gefahren, die inzwischen bei Stefan und Jenny wohnen, und uns und einige andere zu surprise drinks eingeladen hatten. Die Überraschung bestand darin, dass die beiden in ihrem 4-wöchigen Urlaub in Australien für uns ein Abschiedsvideo gedreht hatten, mit jeder Menge Anekdoten aus unserer gemeinsamen Zeit, und mit persönlichen Widmungen. Seeeehr schön, und ein bisschen traurig. Weil wir ja diese Woche noch gar nicht ausgegangen waren, sind wir gleich nach den surprise drinks eine ganz bodenständige Pizza essen gegangen. Der Absacker bzw. das Verteilerchen bei Till und Shini bzw. Stefan und Jennifer haben uns dann wieder dazu gebracht, nicht vor 3 im Bett zu sein. Wo soll das nur alles enden? Heute Abend endet es auf jeden Fall in einem Käse-Fondue, dass Till und Shini noch mal arrangieren. Mann muss ja jede Minute genießen, in der man noch zusammen was unternehmen kann. Morgen ist es dann soweit: die Beiden verlassen den Kontinent, und die nächsten Wochen werden bestimmt viel ruhiger. Oder nicht? Dann steht irgendwann die Verabschiedung von Matt und Regina und Baby Leon an, ich schätze, wir sollten schon mal vorschlafen...


Bis demnächst, aus dem Melbourner Frühling,
Linda (und Stefan)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Dir Linda, sis wos se longest block wie heff ewer ssien! Rispeckt! Wie hoop ju aa not tu saet sett till ent schienie heff gonn nau ent will entscheu se schpring newerseless. keind riegards holger ent gudi

 
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