Donnerstag, August 23, 2007

Da war ja noch was…

Als neulich in einer ruhigen Minute das vergangene (oder besser gesagt: das vorbeigeraste) Jahr an meinem geistigen Auge vorbeigezogen ist, ist mir aufgefallen, dass in unserem Blog ein höchstwichtiges Ereignis nahezu unerwähnt geblieben ist, ja, quasi sträflich vernachlässigt wurde…das geht natürlich nicht, und deswegen muss an dieser Stelle ein Nachtrag sein Plätzchen finden. Denkt Euch einfach, Ihr würdet diesen Blog im August lesen.
Was war also noch so erwähnenswert: richtig, die weltbesten Nachbarn waren hier, um uns zu besuchen. Soviel wisst Ihr ja schon, aber der detaillierte Bericht über unseren gemeinsamen Trip nach Queensland steht noch aus, also mal sehen, an was sich mein Denkapparat noch erinnern kann:

Am Morgen des 02. August sind wir alle zusammen Richtung Melbourne Airport gedüst, wo sich unsere Wege aber nochmal für ein paar Tage getrennt haben. Helga und Michi sind nach Sydney gejettet, und Stefan und ich schonmal ‘vor’ ins sonnige Queensland. Angekommen in Maroochydore haben wir uns als erstes über das traumhafte Wetter gefreut, und als zweites unseren Fennek vermisst. Standen wir doch mit unserem ganzen Camping-Gelumpe am Flughafen, und hatten nicht genug Hände, um uns und das Gepäck fortzubewegen, und die schicke Gepäckkarre musste auch am Flughafen bleiben. Mietwagen waren natürlich spontan nicht zu bekommen, und organisiert wie wir nunmal sind wussten wir auch noch nicht, auf welchem Campingplatz wir unsere Hundehütte denn aufstellen wollten. Aber wozu gibt es denn Touristeninformations- Schalter? Genau dorthin habe ich mich also als erstes bemüht, um mir erklären zu lassen, welcher der 5 Campingplätze im Ort denn der Schönste sei. Guter Plan eigentlich dachte ich, aaaaaber… da war ich zu optimistisch gewesen: Keine der beiden offiziellen Touristen-Beraterinnen konnte IRGENDETWAS über IRGENDEINEN Campingplatz sagen… den konsternierten Gesichtsausdrücken nach zu urteilen ist es anscheinend ungewöhnlich, dass Touristen am Flughafen ankommen und sich nach Übernachtungsmöglichkeiten erkundigen. Aber vielleicht gilt das ja nur für Campingplätze.… das ist dann eigentlich auch nicht weiter verwunderlich, denn wer in Australien etwas auf sich hält, fährt nur mit einer Villa auf Rädern zum Campen, damit man auch auf gaaar keinen Luxus verzichten muss, und diese spezielle Gesellschafts-Kaste ist natürlich selten mit dem Flugzeug unterwegs. Nun denn. Wieder was gelernt: wo “Information” dran steht ist nicht zwangsläufig “Information” drin.
Da auch unser “Lonely Planet” ausnahmsweise ein bisschen sparsam mit Informationen war, haben wir schliesslich ein Taxi gekapert, und den Fahrer nach seinem Campingplatz- Favouriten befragt. Der hat uns dann einem Campingplatz im Ortsteil mit dem klangvollen Namen Maloolaba abgeliefert, auf dem wir a) tatsächlich die einzigen Individuen mit Zelt waren, und b) das Durchschnittsalter um viiiiele Jahre (ich vermute sogar um JAHRZEHNTE) gesenkt haben. Ein ‘richtiges’ Plätzchen für unser Zelt gab es eigentlich auch nicht wirklich, aber man hat uns ein Fleckchen neben einem der kleineren Wohnwagen zugewiesen, neben dem noch ein paar Quadratmeter Platz waren (womit wir sozusagen eine “Stellplatz-WG” gebildet haben).
Das Problem mit der Kombination “Flugreise und Campingurlaub” besteht ja meistens darin, dass man seine persönliche Campingküche und sämtliche Utensilien, die einem das Camperleben erleichtern sollen, zu Hause lassen muss. Da ja dieser Campingplatz nicht wirklich für die Zelter-Parteien ausgelegt war, gab es auch keine Picknickbänke, aber wenigstens einen öffentlichen Gasgrill. Ohne Tisch und ohne Klappstühle blieb uns also nichts anderes übrig, als auf einer Isomatte vor dem Zelt sitzend unser spärliches Abendessen einzunehmen, was uns prompt das Mitleid aller (!) Mitcamper eingebracht hat. Die meisten Exemplare jenseits der 65 fragten erst sich und dann uns, wie man denn in SO einer Hundehütte ÜBERHAUPT schlafen könne, um gleich darauf freudestrahlend zu erklären, dass sie das GANZ GENAUSO machen würden, wenn sie nochmal jung wären. Am nächsten Morgen wussten ALLE von dem ‘jungen’ (haha) deutschen Paar, dass jung und dynamisch für einen Campingulaub ins australische Queensland gekommen war. Und weil das alle so toll fanden, mussten wir natürlich unterstützt werden. Am nächsten Morgen fanden wir vor unserem Zelt einen Klapptisch und zwei Klappstühle als Leihgabe (“you simply CAN’T sit on the ground for 3 days”), und am Abend meinte der nette Nachbar aus dem Wohnwagen sogar noch, uns einen Stromanschluss für eine Lampe legen zu müssen (“you need some light, don’t you!?” war mehr eine Feststellung als eine Frage).
Unser Hauptquartier für die nächsten Tage war also hergerichtet, und so konnten wir genau das tun, für was wir hergekommen waren: den Melbourner Winter vergessen, und die queensländische Sonne am Strand geniessen.


Queensland Winter in Maroochydore! Mindestens so gut wie Melbourne Sommer


Hundehütte mit Leihgaben in Maloolaba


Hinterausgang vom Campingplatz zum Strand in Maloolaba



Nach drei Tagen des Faulenzens kamen dann Helga und Michi, die sich drei Tage lang in Sydney verlustiert hatten, und haben uns mit ihrem Mietwagen in Maroochydore abgholt. Zusammen gings dann weiter Richtung Rainbow Beach, von wo wir am nächsten Morgen (an Michis Geburtstag) eine Fähre nach Fraser Island nehmen wollten. Zunächst musste aber der Toyota Landcruiser abgeholt werden, denn der Mietwagen von H&M hatte Pause, weil er als non-4WD nicht mit auf die Insel durfte. Während wir letztes Jahr im NT einen wirklich schicken und neuen Landcruiser bekommen hatten (was beim Buchen die Entscheidung FÜR dieses Modell massgeblich beeinflusst hat), verhielt sich hier in Queensland das Alter des Autos umgekehrt proportional zum Preis… will heissen: viel mehr Geld für ein viel älteres Auto. Das verstehe wer will. Aber egal, wird schon werden, nur keine Zeit vertrödeln, wir mussten ja noch einkaufen und dann zur Fähre. Als erstes haben wir den Supermarkt geplündert, und als wir den Liquor store ausräumen wollten, ereilte Stefan und mich ein garstiges déjà vu: Erst ab Mittag geöffnet. Das hatten wir doch schonmal, damals, im NT, in der Pampa sozusagen, da kann man ja noch Verständnis aufbringen, aber doch nicht hier in der Zivilisation!! Und ohne ein sundowner Bier nach Fraser Island zu fahren konnte keine Option sein. Um es kurz zu machen: Nach einigem Hin und Her bin ich jetzt Mitglied im Rainbow Beach Sports Camp Recreation Club, was die einzige Option war, um auch vor 12 Uhr Alkohol kaufen zu dürfen. Die inhaltlichen Zusammenhänge hab ich bis heute nicht verstanden, aber egal. Und falls ich nochmal da bin, kann ich sogar im Club selber ermässigt trinken. Jawoll. Manche Sachen MUSS man ja auch gar nicht verstehen…
Weiter gings also, endlich auf die Fähre. Das Übersetzten selber war noch ganz entspannt, aber kaum hatten wir die Fähre verlassen, ging das Drama los. Um es kurz zu erklären: Fraser Island ist die grösste Sandinsel der Welt. Es ist nicht nur erlaubt am Strand Auto zu fahren, man hat sogar quasi keine andere Wahl, denn es gibt keine Strassen, und auch im Inselinneren nur Sandpisten. Was uns niemand gesagt hatte war, dass der Strand, an dem die Fähre ‘angelegt’ hat, nur bei Ebbe befahrbar ist, und NATÜRLICH war das Wasser gerade…ratet mal…auflaufend…was uns mittelmässig unter Druck gesetzt hat, die 25 km bis zu einen ‘sicheren’ Strandabschnitt einigermassen schnell hinter uns zu bringen, und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 kmh nicht wirklich entspannend ist. An diesem Punkt war ICH das nächste Mal auf 180 wegen einer unfähigen Touristeninformation, die in diesem Falle keinen Tidenkalender mit ins sogenannte “Informationspaket” gelegt hatte. Ranger Stefan hat schon hier angefangen zu fluchen wie ein Rohrspatz, und immerhin ist er ja ‘staatlich geprüfter 4WD Fahrer’ (zu deutsch: er hat beim Bund dauernd solche Dinger gefahren). Ich habe nicht wirklich mitgezählt, wie oft wir uns festgefahren haben, aber wir waren froh, den Spaten und jede Menge Holzscheite dabei zu haben (o: Nach einigen km wurde der Sand dann ein bisschen fahrfreundlicher, und wir konnten uns alle entspannen, und endlich Michaels Geburtstags-lunch mit Geburtstagskuchen am Strand einläuten.
Am Abend dann steuerten wir den Campingplatz an, der für die nächsten zwei Nächte unser zu Hause werden sollte. Natürlich sollte auch das nicht einwandfrei vonstatten gehen: man konnte die Plätze nur auf dem Festland buchen, was wir Organisationstalente natürlich nicht getan hatten (und die Touristeninfo wieder nichts verraten hat), oder man konnte aus einer Telefonzelle den Chef-Ranger anrufen, um sich anzumelden. Jetzt stelle man sich die grösste Sandinsel der Welt vor, ohne Strassen und überhaupt ohne Zivilisations- ähnliche Dinge mit ganz viel Strand und Wildnis…wenn ihr dieses Bild vor Augen habt, dann dauert es nicht lange bis ihr drauf kommt, wie wohl der Zustand eines öffentlichen Telefons sein könnte. RICHTIG: funktionslos. Die Handys hatten, wie war es anders zu erwarten, keinen Empfang, und deswegen haben wir nach ausgiebigem Schulter zucken einfach unsere Zelte aufgestellt, ohne irgendjemanden zu fragen oder irgendwem Geld in die Hand zu drücken. Ein gemütlicher Abend mit Geburtstags- BBQ und Lagerfeuer haben dann aber natürlich wieder für Entschädigung gesorgt. Wir wissen jetzt auch, dass Weinflaschen im Gegensatz zu Bierflaschen im Feuer nicht schmelzen und tolle Kunstwerke ergeben, sondern platzen, und kunstwerkartige Rotweinflecken auf Helgas Kleidung hinterlassen… und schon wieder was gelernt. Helga und ich haben auch gelernt, dass man VOR dem Duschen sich genaestens umsehen sollte, ob man irgendwo Geld in einen Schlitz stecken kann um dann WARME Duschen zu haben. Tja, ich hab dann kalt geduscht. Klassischer Fall von ‘Tomaten auf den Augen’.
Die Tage auf Fraser Island waren toll, wir haben die Champagne Pool erwandert, den Eli Creek erschwommen und nach langer und schaukeliger Fahrt (aber ohne festfahren!) den Lake McKenzie bestaunt. Auch der Wettergott hat es gut mit uns gemeint, denn wir konnten baden gehen (und das im Winter!), wenn auch nicht im ‘richtigen’ Meer, wegen der Haie und Strömungen. Aufregende Tierbeobachtungen waren uns auch vergönnt, Michi hat sogar eine Wasserschlange gesehen…oder glaubte eine Wasserschlage gesehen zu haben. Aber die Geschichte lasst Ihr Euch besser von Ihm selber erzählen (o:
Auf dem Weg zurück zur Fähre mussten wir nochmal ein paar Nerven lassen, denn es war natürlich wieder Flut…und richtig, der Strand nicht mehr befahrbar. Ranger Stefan hat uns dann aber Blut und Wasser schwitzend sicher zur Schotterpiste weiter inlands gebracht, auf der wir dann sicher die Fähre zurück nach Rainbow Beach erreicht haben. Puh. Hakuna matata lässt sich auch in Australien anwenden. Hätte ich das vorher gewusst…



Auf dem Weg zur Fähre nach Fraser Island, NOCH auf richtigen Strassen


Erste Verschnaufpause nach dem ersten 'Ritt'


Mit Geburtstagskuchen, yey! Aus SCHOKO!


Und eine coole location für einen Geburtstagkuchen!


Wrack (das Schiff, nicht das Auto)


Nachbarn mit Nachbarn im Gegenlicht


Blick auf die Champagne Pools, die einzige Hai-freie Zone


H&M auf den Weg zu den Pools


Michi und die Damen im Wasser. Wo ist jetzt der Champagner??


Dem Cruiser ist warm geworden. Aber der Ranger lacht noch!


Sandpiste zum Lake McKenzie


Am Lake McKenzie, Gruppenbild mal anders


zurück durch Pudersand


Geschafft! Warten auf die Fähre. Es ist auch nur EIN Stossdämpfer im Eimer (o:

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Linda,
Du scheinst ja nach langer abwesenheit vom heimischen Compi die UEmlaute richtig lieb gewonnen zu haben ;-)

Ausserdem waren alle Stossdaempfer im Eimer, nur bei einem war die Stossdaemfer-AUFHAENGUNG ausgebrochen!

LG aud Taiwan
Stefan

Anonym hat gesagt…

Hi Nachbarn!
Wie man an den Fotos eindeutig sehen kann, konnte uns auch Pudersand nicht von einer gelungenen Tour abhalten ... :-)

Viele Grüße, H&M aus HH in D in der EU ...

Anonym hat gesagt…

Hallo ihr Lieben,

wie immer eine sehr schöne und lustige Geschichte. Linda vielleicht solltest du den Job wechslen und Schriftstellerin werden. Ich bin echt neidisch auf soviel Sonne, Sand und Meer (wenn auch Haiverseucht ;-)
Viele liebe Grüße aus Kölle
Katrin

 
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