Donnerstag, Februar 12, 2009

An unforgiving continent

Da ist sie, die lang befürchtete Buschfeuer-Katastrophe... Da unser Blog ja quasi eine Art Tagebuch ist und all die Dinge festhalten soll, die uns hier beschäftigen, muss in diesem Fall auch mal dieses sehr traurige Thema Platz an dieser Stelle finden. Wie ja mittlerweile vermutlich alle mitbekommen haben dürften, ist der Staat Victoria von einem Buschfeuer von schwer vorstellbarem Ausmass eingeholt worden. Eine Kombination aus einer Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 48 Grad, mehreren Jahren staubtrockene Dürre, einer Luftfeuchtigkeit von nur 11% und einem ordentlichen Wind haben einem Buschfeuer Tür und Tor geöffnet, das ganze Ortschaften sprichwörtlich in Schutt und Asche gelegt hat. Hunderte von Häusern sind zerstört, und viel zu viele Menschen einen grauenhaften Tod gestorben. Wegen des starken Windes konnte sich das Feuer anscheinend stellenweise mit einer Geschwindigkeit von 50-100kmh ausbreiten, was unglaublich erscheint, aber erklärt, warum viele Menschen trotz Warnung doch vom Feuer überrannt worden sind, und viele Fluchtversuche zum Scheitern verurteilt waren. Einer 100kmh schnellen Feuerwalze kann man wohl nicht davon fahren. Stefan und ich haben bei unserem Rückflug aus Sydney einen Teil der Feuer von oben gesehen, und es war ein furchteinflössender Anblick. Dieses Feuer scheint auch irgendwie realer für uns als alle vorher da gewesen (und es waren ja schon einige), vielleicht, weil wir Ortschaften wie Kinglake und Marysville durch einige unsere zahlreichen Wochenendausflüge kennen, oder man muss ja jetzt wohl sagen: kannten. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Orte nicht mehr existieren, und so viele Menschen qualvoll gestorben sind. In Marysville sollen es einer in fünf sein, 20% der Bevölkerung also. Gestandene Männer stehen vor laufenden Kameras und weinen. Glücklich schätzen sich die, die ‘nur’ Haus und Hof verloren haben, denn Tränen kommen selbst mir in die Augen, wenn ich mir vorstelle, wie es gewesen sein muss, wenn Grosseltern sich retten konnten, aber die Enkel im Haus zurücklassen mussten. Oder wenn ein Mann mit seiner Tochter im Arm zu wildfremden Menschen kommt und um Hilfe bittet, weil er seine Frau und seine anderen Kinder verloren hat, ‘bitte retten sie wenigstens meine Tochter’. Oder wenn Ehepartner sich bei der Flucht verlieren und nur einer von beiden es schafft dem Feuer zu entkommen und dann tagelang auf ein Lebenszeichen vom anderen hofft. Wie die Feuerwehr abzieht, weil nichts mehr auszurichten ist. Szenen, die man sich besser nicht vorstellt; oder vielleicht gerade doch, weil man sich glaube ich ab und an klar machen muss, wie schnell man von einer Katastrophe eingeholt werden kann.
Zur allgemeinen Beruhigung sei noch gesagt, und um auf Eure vielen lieben Nachfragen zu antworten: uns geht es aber natürlich gut. Die Feuer sind 100km von Melbourne entfernt, und das Schlimmste, was uns hier passiert sind Stromausfälle und in der Hitze geschmolzene Schienen. Ich würde sagen damit kann man angesichts anderer Schicksale sehr gut leben.

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