Sonntag, Januar 16, 2011

Unterwegs im 'Pays des Mille Collines'- eine Reise durch Rwanda

Bevor es aus Kilifi wieder zurueck nach Melbourne ging, stand noch eine Stippvisite in einem Land an, das seit langen auf der 'Liste' meiner Reiseziele ganz oben stand: Ruanda. Seitdem ich als Studentin die Biografie von Dian Fossey gelesen hatte, wollte ich die sanften Riesen mit eigenen Augen sehen. Freilich war Ruanda seit dem Voelkermord in den 90ger Jahren nicht gerade bevorzugtes Reiseziel der Gorilla-Tracker, und noch bei meinem letzten Aufenthalt in Kilifi wurde von Reisen nach Rwanda abgeraten. Nicht, dass man das Auswaertige Amt immer fuer voll nehmen muesste (immerhin warnen die gelegentlich auch vor Reisen nach Australien- also BITTE), aber da das Gorilla Reisegbiet an der Grenze zum Kongo liegt, hatte ich damals doch lieber auf derartige Eskapaden verzichtet, und statt dessen ein wenig mit 'Big Time Safaris' Kenya unsicher gemacht (Ihr erinnert Euch, der 'Hakuna Matata Verein'). Dieses Mal jedoch stufte sogar das Auswaertige Amt Rwanda als 'unbedenklich' ein, und hatte obendrein Kigali feierlich die Krone der 'sichersten Hauptstadt Ostafrikas' verliehen. Nun denn, das wiederum ist kein Kunststueck, wenn man sich mit Nairobi, Kinshasa und Kampala messen muss, aber sei's drum, hier wollen wir dem Auswaertigen Amt mal glauben. Eine Woche konnte ich entbehren, zwischen verrichteter Laborarbeit und Konferenzstart in Kilifi, und die wollte ich in Rwanda verbringen. Es bedurfte nicht viel um meine Freundin und Kollegin Freya zu ueberzeugen, auf ihrem Weg von Melbourne nach Kilifi (der Konferenz wegen) einen Stopp in Kigali einzulegen, und so musste ich die grosse weite Welt Ostafrikas auch gar nicht alleine bereisen. Wegen der Kuerze der Zeit war der Plan, nicht auf eigene Faust mit oeffentlichen Verkehrmittel durchs Land zu gondeln, sondern uns einer Gruppe Gleichgesinnter anzuschliessen. Es stelle sich jedoch bald heraus, das sich erstens die freudige Botschaft des Auswaertigen Amtes dass Rwanda 'derzeit sicher sei' noch nicht unter allen Reisefreudigen herumgesprochen hatte, und zweitens zudem auch noch absolute Nebensaison war, so dass wir am Ende mit einem Privatfahrer (Amos) dastanden, der uns in einem ebenso privaten Landcruiser 4WD eine Woche lang durchs ganze Land gefahren hat. Fuer meinen Geschmack ein bisschen zu luxurioes, und in einem der aermsten Laender Afrikas auch irgendwie unangebracht, aber sehr praktisch und die Jungs von 'Bizzidanny Tours' waren den Pappnasen von 'Big Time Safaris' in puncto Zuverlaessigkeit ganze Lichtjahre voraus. Ausserdem ist es ja nicht so, dass man sich nicht an einen gewissen Luxus gewoehnen koennte. Kaum hatte mich 'RwandAir' (steht nicht auf der Schwarzen Liste im Gegensatz zu 'Silverback Cargo') sicher nach Kigali gebracht, standen auch schon Freya und Amos parat, und los ging's... ich war in Rwanda, ich konnte es noch nicht so recht glauben, und schon die Aussicht auf die grandiose Landschaft vom Flugzeug aus deutete an, dass es eine tolle Woche werden sollte. Willkommen im 'Pays des Mille Collines'- im Land der tausend Huegel.




Landschaft auf dem Weg nach Sueden. Wegen der kleine Groesse Rwandas (etwas mehr als die Haelfte der Flaeche von Holland) wird jeder Fleck der nicht Nationalpark ist bewirtschaftet.



Auf dem Weg zum Nyungwe Nationalpark. In Rwanda verlaeuft die Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten des Nil und des Congo.



Erste Aussicht auf Lake Kivu. Am Lake Kivu in Cyangugu verbringen wir unsere erste Nacht in einem von Nonnen gefuehrten guest house. Von hier aus kann man quasi in den Kongo hinueber spucken, so nah sind die Lichter der Stadt Bukavu, die bereits im Kongo ist. Sogar unser staendiger Begleiter, Mr. Lonely Planet, deutlich weniger konservativ als das Auswaertige Amt, erklaert den Kongo zum 'off limits' Bereich, was uns reicht, um gar nicht erst zu versuchen, Amos zu einem Ausflug ueber die Grenze zu ueberreden...



Am Abend kommen wir im im Nyungwe NP im Sueden des Landes an der Grenze zu Burundi und zum Kongo an. Hier leben 13 Primaten Arten, unter anderem der naechste Verwandte des Menschen, der Schimpanse. Wir buchen einen Schimpansen Track fuer den naechsten Tag, und wieder sind wir die einzigen Teilnehmer. An unsere Seite haben wir ein paar persoenliche 'Betreuer': Anthony, unseren guide, und 3 sogenannte Tracker, die immer in der Naehe der Schimpansen bleiben, um ihre Bewegungen zu verfolgen und sie vor Wilderern zu schuetzen. Ach ja, und um neugierige Touristen mit Macheten durchs Dickicht zu fuehren. Hier haben wir unsere erste Erfahrung mit der Dichte eines afrikanischen Regenwaldes gemacht... ganz schoen.... dicht! Wir kriechen durch den Busch, den wir eigentlich fuer undurchdringlich gehalten haetten, um in die Naehe der Schimpansen zu kommen. Am Ende des Ausflugs kommen wir durchgeschwitzt und mit zerissenen Hosen, jeder Menge Dreck an der Buchse und durchweichten Schuhen, aber sehr zufrieden zu Amos zurueck, der keine Miene verzieht, als wir seinen frisch polierten Landcruiser mit jeder Menge Dreck verziehren...



Lange schon bevor man sie sieht hoert man die Artgenossen bereits kreischen. Man erwartet jeden Moment Tarzan und Jane an einer Liane sich ins Bild schwingend...



Blick auf die Berge von Burundi im Dunst.



Teeplantage am Nationalpark



Eukalyptus, Bananen und Tee auf engstem Raum. Ja, tatsaechlich, irgendjemand hat hier Eukalyptus eingeschleppt. Von Koalas aber weit und breit keine Spur.



Tee-Ernte



Jeder freie Fleck Erde wird bewirtschaftet, hier mit Bananen.



Auf dem Weg von Cyangugu nach Kibuye. Amos sagt, wenn so viele Menschen auf der Strasse umherlaufen, dann geht es entweder zu einem Markt oder zur Kirche. Da wohl niemand mit Saecken auf dem Kopf zur Kirche geht vermuten wir, dass es sich um die erstere Moeglichkeit handeln muss.



Aha, hier isser, der Markt. Buntes Treiben am Lake Kivu.



Malerischer Lake Kivu



Aussichten...



...in das 'Pays des Mille Collines'



Naechster Tagesstopp: Kibuye am Ufer von Lake Kivu. Hier steigen wir direkt am Seeufer ab, und nur die Tatsache dass wir fast die einzigen Gaeste sind laesst alles ein bisschen merkwuerdig erscheinen. Wir schieben's auf die Nebensaison und geniessen das Fruehsueck am naechsten Morgen mit Blick auf den See, bevor Amos und abholt, und weiter, immer am Lake Kivu entlang, zum eigentlichen Reiseziel des Trips faehrt, dem 'Parc National des Volcans' im Norden des Landes, wo die letzten Gorillas der Welt leben, im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und dem Kongo. Auf gehts...

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