Mittwoch, Oktober 31, 2007

bye bye Kilifi!




Vor ziemlich 2.5 Monaten bin ich angekommen, voller Erwartungen und ziemlich neugierig, was mich wohl erwarten wuerde. Welchem afrikanischen Staedtchen oder Doerfchen, das ich schon in Suedafrika, Namibia oder Botswana kennengelernt hatte wuerde Kilifi wohl am naechsten kommen? Die Antwort ist einfach: keinem. Kilifi hat seinen ganz eigenen Charakter, ganz afrikanisch chaotisch, aber auch mit einer grossen Prise Gelassenheit, und zwar immer dann, wenn man das eigentlich gar nicht braucht, z.B. wenn man 2 Stunden aufs Essen wartet, oder auf seine Arbeitserlaubnis, die uebrigens immer noch nicht da ist....Und was ich mit chaotisch meine? das Vorhandensein von Affen, Huehnern und streunenden Katzen in einem Krankenhaus gehoert nach meiner Definition in die Kategorie 'chaotisch', ebenso wie korrupte Polizisten, die im Zweifel nicht mal schnell zu einem Notfall kommen koennten weil es naemlich keinen Streifenwagen gibt (oder sie ohnehin zu alkoholisiert waeren um diesen zu fahren), und natuerlich die ohrenbetaeubenden Zustaende am Markt, wo alle durcheinander bruellen, hupen oder sonstwie versuchen sich bemerkbar zu machen. Aber die Phase, in der ich mich ueber solche Dinge gewundert habe ist laengst vorbei, denn irgendwie fuktioniert das Leben ja auch so, und das sogar ganz ordentlich.
Kilifi ist auch ein bisschen verschlafen, und es kann einem wirklich die sprichwoertliche Decke auf den Kopf fallen. Dann muss man mal ‘raus’, nach Malindi, Mombasa, oder sogar ‘richtig raus’, Tiere sehen. Wenn man dann zurueck kommt erscheint einem Kilifi nicht mehr langweilig und verschlafen, sondern beruhigend und ausgeglichen. Kilifi ist charmant, weil die Einwohner einen nach einer Weile kennen und freudig 'jambo jambo' rufend begruessen wenn man als ‘mzungu’ in zu kurzen Roecken vorbei radelt. Und weil die Kinder es nicht leid werden, einem ‘give me sweets’ hinterher zu bruellen, auch wenn sie 10 Wochen lang dieselbe Antwort (‘I don’t have any’) erhalten haben. Kilifi ist auch sicher, jedenfalls im Vergleich zu Nairobbery und Mombasa, und Kilifi ist am Meer, was immer eine beruhigende Wirkung auf mich hat (ausser es wird eine Tsunami Warnung ausgesprochen wenn in Asien mal wieder die Erde wackelt, wie in meiner dritten Woche hier).

Das Institut hat alle meine Erwartungen deutlich uebertroffen. Um es zusammen zu fassen: nagelneu, modern, gut ausgeruestet, und viele nette und hilfsbereite Menschen. War ich vorher ein bisschen skeptisch, weil jede Pipettenspitze aus Melbourne hergeschickt werden musste, wurde mit hier bewusst, dass das nur der Fall ist, weil James' Labor hier eine autarke Einheit ist, die voellig eingestaendig hier arbeiten kann. Demnach sind auch (fast) alle Experimente nach Plan verlaufen, und die Zeit hier war alles andere als verschwendet. Die einzig Sache die manchmal meine Zaehne hat knirschen lassen war das Internet, das gerne in besonders wichtigen Momenten den Dienst verweigert hat, oder fuer das Hochladen von mittleren Datenmengen auf andere Server auch gerne mal 2 Stunden benoetigt hat. Vielleicht stehen ja manchmal Elefanten auf der Leitung, das wuerde einiges erklaeren. Hakuna matata.

Ueber die Ausfluege und die Safaris brauche ich nicht viele Worte zu verlieren: wenn man einmal die Morgensonne in den bernsteinfarbenen Augen der Loewen hat blitzen sehen, und wenn man einmal die ‘Fruehpatrouille’ Elefanten aus naechster Naehe vorbei stapfen sieht, mit dem Babyelefanten hintendran, dessen Ruessel ueber den Boden schleift, und es dann ganz still wird, weil es allen vor Staunen die Sprache verschlaegt, dann mag man eigentlich nie wieder in den Zoo gehen. Und man kann ploetzlich verstehen, was Menschen wie Dian Fossey und Jane Godell veranlasst haben muss, Ihr Leben im Busch zu verbringen, 'nur' um Tiere zu beobachten. Und so bin ich 7 Jahre nach Studienabschluss auch endlich bereit einzuraeumen, dass die Verhaltensforschung doch nicht so bloede ist...solange man keine Haubentaucher am Obernsee beobachten muss (o:

Und so verlasse ich Afrika wieder mit einem ganzen Satz neuer Erfahrungen und Eindruecke, und mit vielen Erinnerungen. Es macht einen unglaublich traurig zu sehen, wieviele Kinder hier tatsaechlich an Mangelernaehrung, HIV oder Malaria sterben. Viele nur deswegen, weil Eltern viel zu spaet ins Krankenhaus kommen, und vorher dubiose Medizinmaenner konsultieren. Da Alison in der Kinderstation des oertlichen Krankenhauses arbeitet, war ich darueber immer gut informiert. Eltern sterben hier aber ganuso haeufig in jungen Jahren, so dass es fast in jedem Ort ein Waisenhaus gibt.
Ich weiss jetzt auch, dass man ohne eine ganze Menge Luxusgueter auskommen kann, dass man sich an Ameisen im Essen und Kakerlaken im Schlafzimmer gewoehnen kann (auch wenn ich DIESE Gesellen nicht vermissen werde), und dass Urlaub machen und Arbeiten in einem afrikanischen Land zwei Paar Schuhe sind. Habe ein paar tolle Menschen kennengelernt, und wer weiss, vielleicht wird ja sogar bei dem einen oder anderen eine Freundschaft draus, das wird sich zeigen.
Das waren sie also schon, die 2.5 Monate. Schoen war’s, in Afrika. Heute geht's weiter in einen ganz anderen Teil der Welt, und ich bin gespannt, was fuer spannende Dinge dort auf mich warten. Vorher geniesse ich aber den letzten Tag hier um die Erinnerungen lange frisch zu halten: noch einmal Mahamris zum morning tea essen, mit den Anderen um die letzten Suesskartoffeln beim lunch kaempfen, und noch einmal mit David Taxi ueber die Buckelpiste zum Flughafen in Mombasa rasen.
Bis ganz bald mit hoffentlich neuen spannenden Geschichten, gehabt Euch wohl, Eure
Linda

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