Montag, Januar 14, 2008

Weihnachten auf Tassie

Zu Weihnachten sollte es uns dieses Jahr nach Tasmanien verschlagen (ab hier nur noch 'Tassie' genannt, denn meine Kollegin Fiona bemerkte, dass man 'komisch' sei, wenn man 'Tasmania' und nicht 'Tassie' sagt, und komisch will ich ja schliesslich nicht sein). Die 'Suedinsel' von Australien stand schon lange auf unserer Liste von abzuarbeitenden Reisezielen, und Weihnachten erschien uns gerade recht, zumal es Karsten nach einem 'nicht ganz so heissen' (Zitataende) Reiseziel verlangte. Camping war angesagt, denn aus purer Unorganisiertheit wie Ihr sie ja mittlerweile von uns kennt, hatten wir keine Unterkuenfte im Voraus gebucht, und das, obwohl hier zu Weihnachten die Sommerferien und damit die Hauptsaison losbricht. Und wenn Melbourne in Tassie einfaellt ist das so, als wenn ganz Hamburg nach Sylt faehrt, sprich: wer zuerst kommt mahlt zuerst, und der Rest hat schlicht und ergreifend Pech gehabt. Dank eines wachen Moments hatten Karsten und ich aber immerhin rechtzeitig guenstige Fluege nach Launceston gebucht (ein weiteres Hoch auf Jetstar), so dass wir am Donnerstag vor Weihnachten schonmal vorgejettet sind. Kleinere Widrigkeiten wie die kurzzeitige Vollsperrung des Flughafens wegen sintflutartiger Gewitterregenfaelle konnten uns die Reiselaune nicht verderben. Bekanntermassen leidet ja Australien seit Jahren unter einer Duerre, und es musste dringend mal regnen (wer haette gedacht dass ich das mal sagen wuerde...?!). Stefan musste leider noch bis Freitag arbeiten, und darueber hinaus unseren neuen Begleiter vom Haendler abholen und mit der Campingausruestung vollstopfen. Ja, ganz recht: der Fennek durfte nicht mit. Wegen anhaltenden Nichtbenehmens wie der schlichten Weigerung auf Gas zu fahren, diversen Alterserscheinungen und einem gesunden Misstrauen unsererseits in die Faehigkeit des Fenneks mit der Bergwelt Tasmaniens fertigzuwerden musste also ein Drittwagen her, denn in Stefans Firmenwagen war auch mit gutem Willen nicht mal ein Eski unterzubringen.
Da dem Staedtchen Launceston kein weltberuehmter Ruf voraus eilt, und darueber hinaus australische Staedte ohnehin nicht gerade das Aushaengeschild Australiens sind, stand fuer Karsten und mich am Freitag schonmal ein kleiner Ausflug mit einem schnuckeligen Mietwagen auf dem Programm. Nach St. Helens sollte es gehen, laut Karte ein Katzensprung von 163 km, fuer die wir wegen des Wissens um australische Highways ohnehin schon eine gewisse Fahrzeit eingeplant hatten. Die Beschaffenheit eben dieses 'Highways' hat uns dann aber schnell einen kleinen Vorgeschmack auf die durschschnittliche Reisegeschwindigkeit auf Tassie gegeben (und darueber hinaus bestaetigt, dass es dem Fennek schlecht ergangen waere), und der Ausflug wurde zu einem klassischen 'der Weg ist das Ziel'. In St. Helens angekommen hatten wir dann auch immerhin Zeit fuer ein schnelles lunch in 'Stieglitz', bevor wir uns directamente wieder auf den Rueckweg gemacht haben, denn wer will schon in der Daemmerung fahren, und dabei haufenweise Wombats, Tasman devils und Wallabies von der Strasse fegen?!
Am naechsten Morgen standen dann auch schon Stefan und das ‘neue Familienmitglied’ bereit, um endlich den wahren Schatz Tasmaniens zu erkunden: die Nationalparks. Auf dem Weg zum ersten Zwischstop Deloraine noch schnell 2 Paar Schuhe gekauft (ratet wer…), an ein paar wineries zum wine tasting angehalten (man braucht ja schliesslich anstaendige Troepfchen fuer die nahenden Feiertage), und kurz vor Ladenschluss noch im Schnellverfahren die Einkauefe fuer das Fondue am ersten Weihnachtstag erledigt, so dass wir danach schnell frierend ins Zelt kriechen konnten, denn in diesem Stadium war das tasmanische Wetter noch eher gewoehnungsbeduerftig. 

Auf dem Weg zum Cradle Mountain NP liegt eine weitere Hauptattraktion Tassies,  die 'Walls of Jerusalem', und diese genau an Weihnachten zu erklimmen erschien mir eine gute Idee. Da der walk als ein 8 Stunden-Tagestripp ausgeschrieben war, und wir am Abend mit den anderen Melbournians im Cosy Cabin Park heilig Abend feiern wollten, hiess es frueh raus aus den Federn bzw. aus den Schlafsaecken, und ab auf den Berg. Ranger Stefan musste dabei leider nach 1 Stunde stumpfen Aufstiegs umkehren, da die Sohlen von seinen beiden (!) Wanderschuhen abgefallen waren, ein eindeutiges Zeichen von Altersschwachheit. Karsten allerdings hatte damit den maennlichen Verbuendeten (und den Vernunftsfaktor) verloren und wurde von mir weiter auf den Berg getrieben, denn wir machen ja schliesslich keine halben Sachen, und wenn man schon halb oben ist, will man ja nicht unverrichteter Dinge wieder absteigen. Auch das erste Schneegestoeber, dass Karsten und ich irrtuemlicherweise im ersten Moment (oder war es Wunschdenken?) fuer Bluetengestoeber gehalten hatten (“wo koemmen denn die weissen Blueten auf einmal her??”) konnte uns nicht aufhalten, und ich jedenfalls finde, dass es sich sehr gelohnt hat. Immerhin wurden die Strapazen mit einigen Sonnenabschnitten belohnt, und in solchen Momenten konnte man die ganze Schoenheit der Landschaft wenigstens erahnen.
Der Abstieg war dann doch etwas muehselig, und wir waren beide froh, nach 7 Stunden wieder heile und im Sonnenschein unten angekommen zu sein, wo uns ein gelangweilter Stefan erwartete. Hungrig, aber guter Dinge sind wir dann Richtung Cradle Mountain aufgebrochen, wo der Rest der Sippschaft schon auf uns gewartet hat.

die 'highways' Tasmaniens

endlich angekommen in 'Stieglitz', Zeit fuer Middachessen!

lookout an den Alumn Cliffs

Alumn Cliffs

Staerkung fuer den Marsch zum 'Devils Gullet lookout'

Weg zum 'Devils Gullet lookout'

mit dem Blauen auf dem Weg zum Jerusalem Wall NP

So ein Feuerchen gehoert zum bushcamping dazu! 
Dank des anhaltenden Nieselregens gabs auch erstmal keinen fireban!

Aufstieg geschafft, weiter gehts auf dieser Hochebene zu den 
'Walls of Jerusalem'

auf boardwalks durchs Hochmoor

Linda (der blaue Punkt) im Hochmoor

Ranger Kasi

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